Engel und Teufel

 

 

Danke Herrin, dass Du mich auf die neuen Stories von Nr. 4 aufmerksam gemacht hast und dass ich Dir schreiben darf, was sie in mir ausgelöst haben. All diese Empfindungen und Gedanken in Worte zu fassen, ist zwar echt schwierig, aber auch sehr schön. Denn dabei denke ich die ganze Zeit an Dich und fühle mich Dir sehr nahe! 

 

Wie ich Dir schon am Telefon mitteilen konnte, waren tatsächlich Neid und Traurigkeit meine allerersten Reaktionen. So schlimm, wie es jetzt vielleicht tönen mag, war es zwar bei weitem nicht, aber etwas neidisch war ich schon auf Nr. 4 und eben auch traurig, weil Du mit ihm dank seiner Ungebundenheit so viel mehr machen kannst, als mit mir. Dann aber habe ich versucht, seine beschriebenen Empfindungen nachzuvollziehen und mit meinen Erinnerungen zu vergleichen. Dabei habe ich auch Gemeinsamkeiten entdeckt, was mich ziemlich schnell wieder beruhigt hat. 

 

In Einem, was Nr. 4 über Dich schreibt, gebe ich ihm sofort Recht. Du bist nicht mal der Teufel und mal der Engel. Du bist beides, kannst beides annähernd gleichzeitig sein. Für Nr. 4 kannst Du den Teufel so richtig rauslassen, die totale physische Kontrolle übernehmen, mit Schmerzen, strengster Bondage, Isolation, Katheter, ja sogar mit solchen Dingen, wie Schwanz zunähen. Dies alles ginge bei mir nicht. Innert kürzester Zeit wäre ich weggetreten, mein Kreislauf zusammengebrochen und wer weiss was noch alles. Irgendwann hält es aber auch Nr. 4 nicht mehr aus. Und wenn er schreit, zittert oder gar zusammenbricht, dann bist Du sogleich der Engel, bist liebevoll, fürsorglich und gibst ihm Nähe. Ja, der Teufel weidet sich am Leiden seiner Opfer, sei es physisch oder auch psychisch. Der Engel hingegen ist zwar ebenfalls dominant, wie ich selber immer wieder erfahren darf, aber er ist nicht sadistisch sondern fürsorglich. Er pflegt und beschützt sein Spielzeug. Einerseits gibt er ihm viel Nähe, auf der anderen Seite macht er ihm durch seine allumfassende Fürsorge aber auch unmissverständlich, dass es sein Eigentum ist – Dein Eigentum – und deswegen eben keine Kontrolle mehr über sich selber hat. Der Teufel ist tendenziell mehr physisch ausgerichtet, der Engel mehr psychisch, und Du bist eben beides. 

 

Welche Gemeinsamkeiten habe ich bei Nr. 4 und mir entdeckt? Die wichtigste zuerst, Vertrauen! Wir wissen beide, dass Du unsere jeweiligen Vorlieben und Abneigungen vollständig kennst und dank Deiner Empathie in jeder Situation ganz genau weisst, wie weit Du gehen kannst. Im physischen Bereich gibt es leider fast nur eines, wo Du auch bei mir wirklich Teufel sein kannst, Züchtigungen. Und hier sind Nr.4 und ich offenbar ziemlich gleich. Du hattest selber auch schon mal erwähnt, dass wir beide jeweils das Zauberwort nicht aussprechen wollen. 

 

Dann zum Fokus unserer Begegnungen. An einer Stelle schreibt Nr. 4, dass er immer noch zu sehr auf sich selber bezogen sei und deshalb nicht darauf kommt, warum Du ihn so erniedrigst – weil es Dir Spass macht. Er hatte auch früher schon mal geschrieben, dass er erst mit der Zeit gemerkt hat, dass es nicht um seine Befindlichkeiten geht, sondern ausschliesslich um die Befriedigung der Gelüste der Herrin. Dazu passt auch seine Erkenntnis, dass Du immer seine Herrin bist, auch wenn ihr nicht beisammen seid. Meine Selbstwahrnehmung – oder genauer gesagt, die Selbstwahrnehmung von Manuela – ist hingegen seit Anbeginn genau so. Na ja, in der Praxis wahrscheinlich auch nicht immer und nicht bis ins letzte Detail, aber von meiner Grundeinstellung her schon. Ich bin immer dann glücklich, wenn Du Freude hast. Es gibt für mich nichts schöneres, als Dein Lachen. Du weisst das, und vielleicht lässt Du mich deshalb mehr mit Dir mitlachen als ihn? Aber wie es scheint, hat er gelernt. Also sind wir diesbezüglich eben auch ähnlich. 

 

Was Beschämungen und Demütigungen angeht, reagieren wir hingegen unterschiedlich, aber die Differenz ist so gross auch wieder nicht Er schreibt, dass Du ihn immer häufiger vorführst, ihn vor Dritten bestrafst und eben beschämst, ihn sogar von ihnen benutzen lässt. Und in seinen Berichten fällt mir auf, dass bei ihm immer zuerst die Scham aufkommt, er sich dagegen wehren will, und erst danach folgt langsam die Erregung. Bei mir liegt offenbar die Schamgrenze viel höher. Anders gesagt stellt sich die Erregung immer gleichzeitig mit der Erkenntnis der Demütigung ein. Je nach Situation nehme ich sogar die Beschämung vor lauter Erregung kaum noch wahr. Ich liebe es, vorgeführt zu werden, und auch das war immer schon so. Aber wie ist das für Dich? Ich kann nur raten und denke, Nr.4 vorzuführen, erregt den Teufel sehr, weil er sich daran ergötzen kann, wie sich sein Opfer windet, sich wehren will, und dabei natürlich auch psychisch leidet. Mich vorzuführen, bringt dem Teufel wahrscheinlich nicht so viel, weil ich solche Situationen in der Regel ja geniesse. Ich hoffe einfach, dass der Engel Freude daran hat und vielleicht sogar ein wenig stolz darauf ist, sein Eigentum anderen Personen auf jede erdenkliche Weise präsentieren zu können. 

 

Oberflächlich betrachtet sieht es so aus, dass Du bei Nr.4 mehr Teufel und bei mir mehr Engel bist. Was Du mir z.B. an Deinem Geburtstag und an Weihnachten geschrieben hast, stammt eindeutig vom Engel. Aber eigentlich spielt es gar keine Rolle. Denn Du bist immer Teufel UND Engel und so oder so bist Du unsere Herrin und wir sind Dein Eigentum, und zwar IMMER. Und darum macht es mir eben doch nichts aus, dass Du mit Nr.4 mehr machen kannst, als mit mir. Es ist gut so, wie es ist. Danke Herrin!