OFFENER BRIEF 

 

 

Berufsverbot für das Prostitutionsgewerbe ohne Entschädigung des Einkommensverlustes

 

Sehr geehrte Damen und Herren Die CORONA-Zeit und die daraus resultierenden Massnahmen treffen alle Menschen hart und verändern das bisher bekannte Leben drastisch. Die Massnahmen sind sehr einschneidend und beschränken die Freiheit des Volkes sehr. Es geht in diesem Brief nicht darum über die getroffenen Massnahmen zu polemisieren, sondern über die daraus resultierenden Missstände und Diskriminierungen von Sexarbeiterinnen und hier besonders den Bereich des BDSM aufmerksam zu machen. Wir wissen, dass insbesondere die Berufsverbote, von welchen sehr viele betroffen sind, wirken sich sehr negativ auf das Leben und die finanzielle (Un-)Abhängigkeit aus. Insbesondre natürlich bei denen, welche keine oder nur sehr spärliche Entschädigung anstelle des normalen Einkommens bekommen. Dies betrifft ganz besonders das Gewerbe der Sexarbeiterinnen. Ich arbeite seit über 20 Jahren als unabhängige, selbständige Domina und habe damit immer mein und das Leben meiner Familie finanziert. Nun darf ich (und natürlich auch die anderen Dominas und Sexarbeiterinnen) seit mehr oder wenig einem Jahr wegen den CORONA-Massnahmen der Bundes- und / oder Landesregierung nicht mehr arbeiten. Falls es Ihnen bisher nicht bewusst war, möchte ich Ihnen hier mal kurz aufzeigen, was es heisst, den Beruf Domina / Sexarbeiterin in Deutschland legal ausüben zu dürfen.

• Wir müssen 1mal pro Jahr beim Gesundheitsamt ein gesundheitliches Beratungsgespräch besuchen. Dabei geht es darum uns auf gesundheitliche Risiken und vorbeugende Massnahmen aufmerksam zu machen, mit dem Ziel, sicherzustellen, dass wir gesund sind / bleiben und keine Krankheiten haben oder verbreiten.

• Mit dem Attest des Gesundheitsamtes müssen wir beim Ordnungsamt vorsprechen und uns prüfen lassen um eine Berufsbewilligung zu bekommen.

• Durch das Ordnungsamt werden wir beim Finanzamt gemeldet und sind somit auch Steuerpflichtig.

• Wir werden regelmässig von der Behörde (Polizei, Gesundheitsamt, etc.) kontrolliert und überprüft, ob wir uns an all die Auflagen, wie Hygiene, Sauberkeit, etc., halten.

• Die Studios in denen wir arbeiten, haben sehr strikte Auflagen über Hygiene, Arbeitsumfeld, Registrierung, Kontrolle der Arbeitsbewilligung der Sexarbeiterinnen, Arbeitssicherheit, etc. und werden ebenfalls regelmässig kontrolliert. Viele Studios haben die Zulassung nach dem neuen Gesetz noch nicht erhalten, obwohl die verlangten Standards sehr hohe Auslagen für die Studios zu Folge hatten. Dies kommt noch zusätzlich zu den nun fehlenden Verdiensten hinzu. Einige langjährige, renommierte Studios mussten deshalb schon Konkurs melden. Das Aufzählen aller Bedingungen welche wir und die Studiobetreiber erfüllen müssen, um arbeiten zu dürfen würde den Rahmen dieses Schreibens sprengen. Deshalb wird nur ein Auszug davon erwähnt, um einen kurzen Einblick in die Anforderungen, welche erfüllt werden müssen um Domina/Sexarbeiterin sein zu „dürfen“. Ist wohl eines der am striktesten kontrollierten Gewerbe in Deutschland, nur weil wir einen nicht „sittenkonformen“ Beruf ausüben. Ach ja, da habe ich doch fast vergessen, dass wir natürlich bei all den Auflagen auch noch die Gebühren dafür bezahlen müssen. Das Prostitutionsgewerbe wird ja sehr stark mit der illegalen Zwangsprostitution in Verbindung gebracht. Dies stimmt zumindest für den Bereich des BDSM nicht oder nur in sehr seltenen Fällen. BDSM ist für die meisten Dominas nicht nur ein Beruf, sondern entwickelt sich aus dem Spass am Spiel und wird zur Leidenschaft; ein „Hobby“ das zum Beruf und Lebensgrundlage wird. Es braucht sehr viel Fingerspitzengefühl, psychologisches Gespür und Verständnis um die Bedürfnisse und Limiten eines Kunden zu sehen und eine Session entsprechend anpassen, resp. führen zu können. Für die meisten Kunden ist der Besuch bei einer Domina nicht nur ein Befriedigen eines physischen Bedürfnisses, sondern eine „Psycho“ Therapie und Beziehung welche weit über die Sessionzeit hinausgeht. Im BDSM ist eine Session meist 1:1, d.h. ein Kunde pro Session. Dabei sind Körperkontakt, Distanz, etc. durch die Domina kontrollier- und steuerbar, d.h. Hygiene- und Schutzkonzepte im Rahmen der CORONA-Massnahmen sind problemlos und konsequent anwend- und umsetzbar. Gerade im Bereich des BDSM sind es nicht spontane Besuche durch die Kunden sondern in den meisten Fällen vereinbarte Termine, welche zeitlich definiert und abgestimmt sind. Die meisten sind Stammkunden und die Daten und Termine sind für 6 Monate nachvollziehbar. Mit vielen Kunden geht die BDSM-Beziehung auch ausserhalb der Studiotermine weiter, da viele Sklaven wünschen, permanent durch ihre Domina kontrolliert und geführt zu werden. Dies erfolgt i.d.R. über Telefon, Soziale Medien, Mail, etc., also ohne physischen Kontakt zu den Kunden. Dadurch ist es gerade für die Domina nicht einfach den Beruf vom privaten Leben zu trennen und es entsteht leicht eine Durchmischung ausserhalb der Studios (private Infrastruktur, PC, etc.), resp. ist nicht einfach, teilweise nicht möglich, dies zu trennen. Unter Einhaltung der Schutz- und Hygienekonzepten bereitet man sich vor jedem Termin entsprechend vor. D.h. Utensilien, Spielzeuge, Kleidung, etc. werden auf Sauberkeit und Funktion geprüft und entsprechend kontrolliert. Nach jedem Kunden wird das Studio, die benutzten Räumlichkeiten, Spielzeuge, Kleidung, etc., gereinigt und desinfiziert. Ja, wir Spielen u.a. nicht nur Klinik, wir arbeiten auch klinisch rein und auf sehr hohem hygienischem Stand. Da würden viele Staunen, wie hoch der Hygienestandard in den Studios und durch die Dominas gehalten wird. Den Vergleich mit den Hygienestandards eines Spitals brauchen wir absolut nicht zu fürchten. Trotz all dieser Auflagen erlaubt der Staat es nicht, dass ich ein Gewerbe als Domina anmelde, obwohl ich das seit Jahren gerne tun würde. Ich frage mich, warum das so ist, dass der Staat mir Auflagen macht, von mir Steuern eintreibt und nun mir verbietet zu arbeiten ohne dafür Entschädigungen zu zahlen, aber trotzdem Geld für Steuern will. Zugleich meinen Beruf nicht als Branche akzeptiert. Wenn das mal nicht staatliche Diskriminierung von allen Frauen (und Männer) des BDSM Sexgewerbes ist. Neben unserem Arbeitsleben führen wir, wie die meisten anderen Bürger auch, ein ganz normales Leben mit Familie, Freunden, Haustieren, Wohnung/Haus, und den damit verbundenen Kosten/Auslagen welche damit einhergehen. Ich zahle schon seit Jahren(zehnten) Steuern wie jeder normale Bürger auch. Sie sehen, wir sind eigentlich ganz normale Bürger Deutschlands, welche „zu unserem Wohl und Schutz“ ein bisschen genauer kontrolliert und überwacht werden. Natürlich sind wir auch das Feindbild von vielen „Feministinnen, Politikerinnen, Organisationen“ welche uns nach wie vor als sittenwidrige Aussätzige behandeln und am liebsten komplett verbieten und abschaffen wollen. Nun im Rahmen der CORONA-Massnahmen sind in dieser Berufskategorie die Entschädigungen ziemlich dünn ausgefallen. Im ersten Lock Down war die Unterstützung nur für die betrieblichen Auslagen gedacht, welche nicht mal die Unkosten deckte. Nun im zweiten Lock Down (November, Dezember) sind die Umsätze und für die dritte Tranche (Januar, Februar) die Berufsauslagen für die Berechnung massgebend! Ich habe da glaub ich was verpasst; ich darf nicht arbeiten, habe also keine / sehr geringe Berufsauslagen und einen sehr geringen Umsatz und die sollen mir dann, irgendwann mal (rück-) erstattet werden. Dazu kommt, dass die Rubrik „Sexarbeiterin“ auf dem Antragsformular nirgends zu finden ist. Auch da hat man (bewusst?) nicht an uns gedacht. Mache ich mich jetzt strafbar, wenn ich Unterstützung anfordere? Steuern und IHK zahle ich wie jede(r) selbständig Erwerbende(r). Hinzu kommt noch, dass auch die Sozialhilfe wegfällt, da bei einer allfälligen Prüfung die letzten 12 Monate rückwirkend geprüft werden. Damit habe ich mit dem staatlich auferlegten Arbeitsverbot auch da wieder den „ZONK“ gezogen. Es sind ja nicht die jetzt ausgefallenen Berufsauslagen, sondern die (privaten) Lebenskosten (Versicherungen, Miete, Auto, Essen, Kleider, etc.) welche Geld kosten. Ich frage mich da, wie unsere Abgeordneten ihren Lebensstandard ohne Einkommen finanzieren würden? Das gäbe wahrscheinlich unverzüglich ein dringendes Unterstützungspaket der Regierung (über das die Betroffenen selbst bestimmen würden). Eine andere Arbeitsstelle zu finden ist derzeit auch kaum möglich, da der Arbeitsmarkt derzeit mehr oder weniger stillsteht. Damit ich zumindest Krankenversichert bin sowie zum Abdecken und Abfedern meines Einkommensausfalles habe ich eine Teilzeitstelle angenommen. Diese reicht jedoch nicht einmal aus, um die Wohnungsmiete bezahlen zu können. Das gut geplante und hart erarbeitete Ersparte ist nach einem Jahr ohne Einkommen natürlich schon lange aufgebraucht. Hat eigentlich die Regierung uns (und wir sind nicht wenige) vergessen, oder macht ihr das absichtlich, um endlich dieses unsittliche Gewerbe zu verbannen. Da habe ich mal eine Frage an unsere „Entscheidungsträger“; Haben Sie sich schon mal überlegt, warum Touristen z.B. nach Hamburg reisen? Stellen sie sich doch mal Hamburg ohne die Reeperbahn, der Touristenmagnet der Hafenstadt, vor. Falls sie es noch nicht bemerkt haben, ist das Kernstück der Reeperbahn das SEXGEWERBE! Für die hoffnungslosen „Gutmenschen“ unter den Politikern und Ämtern; das Gewerbe wird nicht aussterben auch wenn ihr es komplett verbietet, sondern es wird einfach gezwungenermassen in die Illegalität abwandern. Schliesslich ist es nicht umsonst das 2-älteste Gewerbe dieser Welt, das vor der Politik existierte! Ich fordere Sie auf, hier Ihre Verantwortung wahrzunehmen und uns wieder arbeiten zu lassen oder uns finanziell zu unterstützen, damit wir nicht gezwungen werden unter zweifelhaften Bedingungen in der Illegalität unser Leben zu verdienen. Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit und Zeit meinen Denkanstoss zu lesen und daraus zu lernen wie es ist, am „ANDEREN“ Ende der CORONA-Massnahmen zu leben. Mit freundlichen Grüssen Lady Nastasia